Klausurtagung der liberalen Vereinigung

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Am 14. und 15. Juni kamen in Obermarchtal Mitglieder des Vorstandes der Liberalen Vereinigung e.V. und geladene Gäste zur Klausurtagung zusammen. Die Anwesenden äußerten die grundlegende Sorge um die Zukunft des Liberalismus in Deutschland und stimmten darin überein, dass gerade ein so leistungsstarkes und -fähiges Land wie Deutschland eine starke liberale Stimme in der Politik benötige. Genau diese aber fehlt derzeit.

Stattdessen beschreiten inzwischen alle etablierten Parteien den Weg zur Knechtschaft: egal mit welchem Problem die Politik konfrontiert wird – die Antwort lautet immer mehr Staat. Dabei ist es gerade die staatliche Politik, die viele dieser Probleme erst geschaffen hat. Um nur einige zu nennen: Die US-Immobilienblase, die Eurokrise, die Energiewende und auch der drohende Kollaps der Sozialsysteme sind alles Folgen verfehlter staatlicher Politik. Dass nun noch mehr Staat diese Probleme lösen soll, ist absurd.

Der Weg der Etatisten, alles durch und vom Staat regeln zu wollen, führt in die Sackgasse. Nicht zuletzt, weil hierdurch das Individuum seiner Eigenverantwortung entwöhnt wird. Die Fähigkeit eigenverantwortlich zu handeln ist aber grundlegend für die Fähigkeit auch in größerem Rahmen verantwortlich zu handeln. Nur wer die Freiheit gewohnt ist, eigene Entscheidungen zu treffen und die (positiven wie
negativen) Folgen dieser Entscheidungen zu spüren bekommt, kann auch in größerem Rahmen verantwortlich handeln. Es ist in diesem Sinn bezeichnend, dass in unserer Gesellschaft gerade führende Politiker und Top-Manager einerseits die Folgen ihres Handels kaum spüren und die Kosten eben jenes Handels stets dem Staat aufbürden. Als Gegenentwurf zu dieser Geisteshaltung betont und begreift der Liberalismus hingegen die Freiheit und damit auch die Eigenverantwortung als essentielles Kernstück einer jeder Gesellschaft. In dieser Betonung findet auch das positive Menschenbild des Liberalismus seinen Ausdruck: Es ist die liberale Kernüberzeugung, dass jeder Mensch die Fähigkeit besitzt, sein Leben nach seinen ganz eigenen Vorstellungen und Ideen zu gestalten und zu erhalten.

Es kann daher nicht verwundern, dass es stets besonderes freie und liberale Gesellschaftsordnungen gewesen sind, die nicht alleine ein Höchstmaß an wirtschaftlichem Wohlstand erreichten, sondern auch Wissenschaft und Forschung sowie Kunst und Kultur zum Erblühen brachten. Innovation und Kreativität lassen sich eben nicht von Staatswegen verordnen, sondern können nur in Freiheit entstehen. Es ist höchste Zeit, dass sich die westlichen Gesellschaften wieder auf die Wurzeln ihres Wohlstands und ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit sowie ihrer wissenschaftlichen und kulturellen Erfolge besinnen. Der Mensch ist immer der bessere Unternehmer als der Staat und das Individuum kennt seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse nun einmal grundsätzlich besser als das Kollektiv.

Nur mit dem klaren Bekenntnis zu individuellen Freiheiten und den damit einhergehenden Persönlichkeitsrechten, zum Schutz und Erhalt des (Privat-)Eigentums sowie zur Unantastbarkeit des Rechtsstaats kann unser Land seine Leistungsfähigkeit langfristig erhalten. Dabei darf sich dieses Bekenntnis nicht alleine auf den wirtschaftlichen Bereich beschränken, sondern muss alle Gesellschaftsbereiche umfassen. Der Liberalismus ist die einzige politische Position, die tatsächlich ein solches Bekenntnis ablegt und es so dem Individuum erlaubt, seine gesamte schöpferische Kraft – sei es im kulturellen, im unternehmerischen oder im familiären Umfeld – zu entfalten.

Gerade weil der Liberalismus die Freiheit des Einzelnen so sehr betont, verurteilt und verdammt er andere Positionen nicht, sondern setzt auf die Kraft der besseren Argumente und der Vernunft, um so nachhaltiger und tiefer zu überzeugen. In unserer schnelllebigen Zeit allerdings kann dies auch – zumindest kurzfristig – ein Nachteil sein, da in der öffentlichen Debatte oft genug nicht die Zeit bleibt, ein
Argument zu entwickeln, geschweige denn über dieses nachzudenken. Zudem, und dies scheint eine liberale Eigenheit zu sein, debattieren Liberale oft und viel untereinander über Details und vergessen darüber, dass die „wahren Gegnern“ nicht andere liberale Strömungen, sondern die Etatisten jeder Couleur sind.

Deshalb ist es das vorrangige Ziel der liberalen Vereinigung e.V., die zahlreichen Strömungen des Liberalismus zu bündeln und zu etablieren, um so die Schlagkraft und Reichweite liberaler Ideen und Gedanken zu erhöhen. In diesem Sinne empfanden alle Beteiligten die Zusammenkunft als große Bereicherung und fühlten sich in dem Wunsch bestärkt, dem Liberalismus in Deutschland wieder Stimme und
Gehör zu verschaffen. Der Wille, sich hierfür mit ganzer Kraft einzusetzen, war während der gesamten Veranstaltung deutlich spürbar.